Transformation | Glocal Retail

In München war die Einzelhandelsbranche ebenfalls stark vom Lockdown durch die Corona-Pandemie betroffen. Doch auch hier wurde die Krise zum Katalysator für die digitale Transformation einer lokalen Münchner Initiative, die in Zukunft ganz lokal-digital Deutschland erobern will. An der Geburt von Kauflokal.com, dem digitalen Zweig der Münchener Initiative für die Stärkung des stationären Handels „Kauflokal“, wirkten maßgeblich David Thomas, Gründer von Kauflokal, und Konstantin Rentrop, Partner von Kauflokal, mit. Wir haben mit ihnen über die Erfolgsgeschichte von Kauflokal.com gesprochen.

David Thomas blickt auf 17 Jahre Erfahrung im Handel zurück. Vor fünf Jahren gründete er aus seiner Tätigkeit bei Hirmer heraus die Initiative Kauflokal. Zunächst nur auf München beschränkt, stellte er Start-ups eine Innenstadtfläche im stationären Handel bei Hirmer zur Verfügung. Sein Ziel mit Kauflokal war von Beginn an der Erhalt von Attraktivität und Vielfalt in den Innenstädten sowie die Stärkung des stationären, lokalen Handels gegenüber dem Onlinebusiness. Die Initiative begeisterte neben Hirmer auch andere große Münchener Traditionshäuser und so waren in der letzten Kauflokal Aktion kurz vor der Corona-Pandemie insgesamt fünf große Münchener Häuser mit insgesamt acht Standorten und knapp 130 Münchener Startups vertreten.

Einer der wichtigsten Kauflokal Unterstützer ist Konstantin Rentrop, E-Commerce- und Marketingleiter beim Sporthaus Schuster in München, ein Familienunternehmen mit einer mehr als 100-jährigen Tradition. Seit zwei Jahren unterstützt das Sporthaus Schuster im stationären Geschäft aber auch über den eigenen Online-Shop bereits die Kauflokal Initiative. In dieser Zeit konnten sehr gute Kontakte insbesondere zu Münchener Startups aus dem Sport- und Lifestylebereich aufgebaut werden.

Doch Corona brachte auch in München alles zum Stillstand. Im Sporthaus Schuster wurde man, ähnlich wie viele andere Händler, von der Dynamik in der zweiten Märzwoche überrascht. Durch Münchens Nähe zu Österreich und den Skigebieten schien die Lage auch dramatischer als in anderen deutschen Städten. Am 18. März musste schließlich das Kaufhaus komplett schließen. „Nach 107 Jahren an einem Mittwochabend das Haus zusperren zu müssen und nicht zu wissen, wann wir wieder aufmachen dürfen, das ist uns allen durch Mark und Bein gegangen“, erinnert sich Konstantin Rentrop. Als oberstes Ziel formulierten die Münchener sofort die Aufrechterhaltung des Vertriebs über ihren eigenen Online Kanal. Dafür wurden zunächst zwei Teams gebildet, die unabhängig voneinander in der Logistik arbeiteten. Gleichzeitig stockten sie die Budgets im Digital Marketing auf, um mehr Traffic auf die Website zu ziehen. Auch das Content Marketing über Social Media und Newsletter musste der Situation entsprechend angepasst werden, um den Kunden das anzubieten, was für sie in dieser Zeit wirklich relevant war. Auch wenn im März die Nachfrage noch verhalten blieb, weil die Kunden sich erst in der neuen Situation einrichten mussten, stieg ab Anfang April die Konsumfreude wieder stark an. Der April bescherte dem Sporthaus Schuster die stärksten E-Commerce Umsätze aller Zeiten. „Wir haben alles, was zum Individualsport gehört und alles, was man sportlich daheim machen kann, z.B. Laufschuhe, Laufbekleidung, Fitnessgeräte und Fitnessbekleidung sehr gut verkauft“, berichtet Konstantin Rentrop. Darüber hinaus wurde Zeit frei für Projekte, die sonst im Tagesgeschäft untergehen. Und deshalb ließ die Geburt von Kauflokal.com nicht lange auf sich warten.

Denn selbstverständlich war auch das lokale Präsenzgeschäft von Kauflokal mitten in der aktuell laufenden Aktion, die am 6. März gestartet war, am 17. März zum Halt gekommen. Dadurch wurde die Pandemie zur Initialzündung für die Digitalisierung der Kauflokal Idee. Bereits in der zweiten Woche des Lockdowns riefen der Kauflokal Macher David Thomas und sein Unterstützer beim Sporthaus Schuster, Konstantin Rentrop, gemeinsam mit der Agentur norisk Group den digitalen Marktplatz Kauflokal.com ins Leben. Das Ziel ist auch hier ganz klar eine lokal verortete Präsenz von lokalen Händlern als ein Gegenpol zu den großen Online-Plattformen mit entsprechender Sichtbarkeit in der digitalen Welt.

Die herausfordernde Fragestellung lautete: Wie schaffen wir es, die Essenz von Kauflokal, also die Begegnung mit den Machern von Labels und Manufakturen mit ihren Kunden, in die digitale Welt zu transformieren? Der Weg bis zum Launch von Kauflokal.com war dabei von positiven Überraschungen geprägt. „Extrem toll“ empfanden die beiden Macher den neuen Zusammenhalt im Einzelhandel, denn „die Menschen haben nicht mehr einzeln gedacht, sondern miteinander kommuniziert und gemeinsam nach Lösungen gesucht. Mit Hilfe des vielen Feedbacks haben wir es geschafft, in nur zwei Wochen fast 200 Unternehmen bei Kauflokal.com an Bord zu haben“, erinnert sich David Thomas.

Alle Münchner Platzhirsche waren dabei. Von Dallmayr bis Hirmer, vom Sporthaus Schuster bis Lodenfrey, von Konen bis Bettenrid – alles Unternehmen, die eigentlich miteinander im Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten stehen. Konstantin Rentrop empfindet diese Solidarität als riesigen Erfolg und hofft, dass die Corona-Zeit gelehrt hat, dass Mitbewerber auch in Zukunft „nicht nur an die Konkurrenz innerhalb einer Stadt denken, sondern in Attraktivität vieler Akteure für die Stadt“. Dass die Plattform Kauflokal.com schnell auch über München hinaus wachsen soll, war den Kauflokal.com Machern von Beginn an klar. Aktuell arbeiten sie an der deutschlandweiten Expansion.

Nach der Aufhebung des Lockdowns und dem Neustart im Einzelhandel durften auch die Münchner Läden unter den üblichen Sicherheitsauflagen wieder öffnen. Dennoch waren beim Sporthaus Schuster Frequenzverluste von 30 bis 50 Prozent zu verzeichnen. Konstantin Rentrop beurteilt die Situation wie folgt: „Wir waren nicht unzufrieden mit dem Neustart, aber wir sehen den Handlungsdruck, uns zukünftig noch stärker in Richtung digital aufzustellen.“ David Thomas ergänzt: „Der Verlust von über 90% der Umsätze nach 41 Tagen Schließung war auch über die digitale Transformation nicht aufzuholen. Nun geht es darum, den neuerdings bewusster einkaufenden Konsumenten bei ihrer Wahl mit den richtigen Angeboten zu unterstützen.“

Dass Kauflokal.com das richtige Angebot ist, davon sind die beiden Macher überzeugt. Schließlich kann man über Kauflokal.com nun online genauso „lokal“ einkaufen gehen, wie man das auch offline tun würde. Wenn die Konsumenten lernen, nicht sofort den ersten Treffer zu wählen, wenn sie bei Google ihre Shopping Suche starten, dann hat Kauflokal.com neue Kunden gewonnen. Wer digital-lokal shoppt, tut dabei noch viel mehr. Er unterstützt lokale Unternehmen, zumeist in kleinen Strukturen und Inhaber geführt, die lokale Arbeitsplätze schaffen und zum Wert und zur Identität einer Stadt maßgeblich beitragen.

David Thomas hat den Traum, dass der Mittelstand als der größte Treiber der Deutschen Wirtschaft einen Gegenpol zum anonymen Onlinebusiness schaffen kann. Sein Ziel ist es, den gesamten Mittelstand unabhängig von der Branche auf einen Online-Marktplatz zu vereinen und diesen Marktplatz deutschlandweit verfügbar zu machen.

Dabei ist die Teilnahme an Kauflokal.com für Labels und Manufakturen super einfach: Um teilnehmender Händler zu werden, muss man einfach ein Teilnahmeformular auf der Website ausfüllen, Texte, Logos und Daten hochladen und schon ist der Store auf der Website auffindbar. Momentan sind bereits über 6 Millionen Produkte aus unterschiedlichen Branchen online. Tendenz steigend.

Darüber hinaus sind die Kauflokal.com Macher auch an Partnerschaften mit Medienunternehmen oder anderen Unterstützern interessiert. Alles, was hilft, schnell eine große Reichweite zu erzielen, ist willkommen.

Und was bringt die Zukunft für Kauflokal.com? David Thomas wünscht sich, dass 2000 bis 3000 nationale Unternehmen mit 30 Millionen Produkten zeitnah bei Kauflokal.com registriert sind. Egal welches Produkt, bei Kauflokal.com sollte man in Deutschland fündig werden. „Wenn wir es schaffen, mit Kauflokal.com einen lokalen Gegenpol zu den großen Online-Playern zu etablieren, können wir einen großen Teil der lokalen Umsätze, die online getätigt werden, in Deutschland halten und zur Vielfalt im Offline-Handel in unseren Städten beitragen“, fasst David Thomas zusammen.

Hast du ein lokales Unternehmen oder bist ein lokaler Händler?

Hier kannst du dich einfach bei Kauflokal.com kostenlos anmelden.

 

Wir wünschen Kauflokal / Kauflokal.com und seinen Machern und Unterstützern viel Erfolg!  

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Kauflokal.com

… sind Konstantin Rentrop, E-Commerce- und Marketingleiter beim Sporthaus Schuster, und David Thomas, Gründer von Kauflokal in München. Gemeinsam starteten sie mit Kauflokal.com den digitalen Zweig der Münchener Initiative. 

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