Transformation | Leisure Destination

In der DAN ACADEMY stellen wir uns die Frage, wie wollen wir leben und arbeiten? Gerade jetzt ist diese Frage aktueller denn je. Einerseits ringen wir täglich um neue Antworten auf die akuten Herausforderungen durch die Coronavirus-Pandemie. Andererseits wollen wir ganz bewusst einen gedanklichen Blick in die Zukunft werfen und Mut machen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit Expertise, Kreativität und Optimismus neu zu denken.

Inmitten des Biosphärenreservats und nur eine Stunde von Berlin entfernt befinden sich das Spreewelten-Bad und die Hotelanlage, die ein ganz besonderes Freizeiterlebnis für die ganze Familie bieten: Schwimmen und Übernachten bei den Pinguinen. Entlang einer 46m langen Panoramascheibe können Groß und Klein den Tieren auf Augenhöhe begegnen. Schaufütterungen bieten einen ganz besonderen Einblick in die Welt der Tiere und versteckte Schatzkarten laden zum Erkunden der Welt der Pinguine ein. Was passiert, wenn eine Freizeitdestination mit vielen täglichen Besuchern plötzlich mit den Maßnahmen der aktuellen Pandemie konfrontiert ist. Welche Lösungen und Chancen ergeben sich?

Wie profitieren unsere Gesellschaft und Wirtschaft trotz Krisenmodus?

Was ich gerade erlebe ist, dass das soziale Engagement und Miteinander in der Gesellschaft wieder ganz stark wächst. Die Menschen müssen zwar physisch Abstand halten, rücken aber emotional wieder näher zusammen und sind mehr füreinander da.

Betrachtet man die Wirtschaft ist es ganz klar so, dass einige Wirtschaftszweige von der Krise profitieren, viele andere dagegen überhaupt nicht. Zu den letzteren gehören definitiv wir, die Spreewelten als Freizeitdestination mit Bad, Hotel und Gastronomiebetrieb. Deshalb waren wir unmittelbar von der Krise betroffen und mussten im März schließen.

Wie habt ihr die Schließung erlebt?

Am Anfang war das schon schwierig für uns, denn ein Bad lebt natürlich von Menschen und vom Kinderlachen. Es ist schon traurig, wenn man durch ein leeres Bad geht und auch das Hotel geschlossen ist, was wir erst vor wenigen Monaten eröffnet haben. Auch unsere 120 Mitarbeiter mussten wir dann in Kurzarbeit schicken. Dennoch haben wir uns darum bemüht, für sie eine sehr sozialverträgliche Regelung zu finden, um sie weiter zu unterstützen, damit sie nicht mit dem geringen Kurzarbeitergeld allein auskommen mussten. Zusätzlich konnten wir auch einige unserer Mitarbeiter zu Logistikunternehmen in der Region vermitteln, die noch händeringend Mitarbeiter suchten. Allen unseren Mitarbeitern geht es also gut und sie wollen, dass es langsam wieder los geht.

Und wie geht es den Pinguinen?

Auch für die Pinguine ist das gerade eine ungewöhnliche Zeit und man merkt es an ihrem Verhalten. Zwar haben unsere Tierpfleger sie weiter versorgt und natürlich auch bespaßt. Normalerweise ist jetzt aber Brutzeit und wir hätten uns über ganz viele Pinguin-Eier freuen können. In dieser Saison gab es aber nur ein einziges Ei in den Spreewelten. Dennoch mussten unsere Pinguin-Fans die Tiere nicht komplett vermissen. Jeden Donnerstag gab es für sie eine Live-Facebook-Fütterung, bei der man virtuell „mitfüttern“ und live seine Fragen stellen konnte.

Habt ihr die Zeit der Schließung aktiv nutzen können?

Zuallererst haben wir die Schließung dazu genutzt, eine bereits geplante Revisionswoche vorzuziehen und die Spreewelten einem gründlichen Check zu unterziehen. Darüber hinaus investieren wir gerade auch in neues Merchandising und wollen die Geschichte der Reise der Pinguine nicht nur im Bad noch besser erzählen. Deshalb werden wir auch bald unser erstes Kinderbuch über unsere Pinguine herausbringen. Dann kann man die Geschichte im Bad erleben und auch mit nach Hause nehmen.

Ist auch die Digitalisierung bei euch ein Thema?

Ja, auch da haben wir die Krise aktiv genutzt und ganz viele Dinge anschupsen können, über die wir uns in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht haben. Dies gilt vor allem für die Digitalisierung im Bereich Besuchermanagement und Gästesteuerung.

Bisher war es so, dass wir viel von Tagestouristen und Spontangästen gelebt haben, die dann plötzlich vor der Tür standen und nicht allein waren, weil ganz viele Menschen eine ähnliche Idee hatten. Das hat uns oft Schwierigkeiten bereitet, da wir das Tagesgeschäft nicht optimal planen konnten. Nun werden wir unser ganzes Buchungssystem auf eine Online-Buchung umstellen. Das bedeutet, der Gast bucht schon vorab seine Tickets und sein Erlebnis beginnt mit der Vorfreude schon weit vor unserer Tür. Zugleich bekommt er die Sicherheit, dass nicht ganz viele andere Leute die gleiche Idee hatten und er dann lange anstehen muss. Das bringt Vertrauen und eine hohe Sicherheit für den Kunden. Mit unseren neuen digitalen Prozessen machen wir einen großen Sprung nach vorn und konnten gleichzeitig innerhalb kürzester Zeit einige alte Sichtweisen auf das Thema Digitalisierung abbauen, gegen die wir zuvor jahrelang gekämpft haben. Dieser Entwicklungssprung ist auch für mich sehr spannend.

Welche finanziellen Auswirkungen hat die Schließung für die Spreewelten?

Die finanziellen Auswirkungen sind enorm. Allein im März, als wir noch teilweise öffnen durften, entstand schon ein Minus von 200.000 EUR. Im komplett geschlossenen April hätte unsere Hotelauslastung auch wegen der Osterferien bei 100% gelegen. Bei einem Jahresumsatz von ca. 10 Millionen Euro kann man sich ausrechnen, wie jeder weitere Monat Schließung ein größeres Loch in die Kasse reißt. Wir gehen aktuell von 2,5 bis 3 Millionen Euro Verlust für drei Monate Schließung aus. Das bereitet uns schon Kopfzerbrechen.

Zum Glück haben wir bisher gut wirtschaften können und stecken mit langfristig aufgebauter Liquidität die Verluste der letzten Wochen gut weg. Aber langfristig wird es auch für uns eng. Das heißt, aktuell brauchen wir noch keinen Zuschuss, aber wenn unsere Rücklagen aufgebraucht sind, sieht das anders aus.

Im Vergleich zu vielen kleineren, privaten Betreibern stehen wir aber noch gut da. Eine Umfrage der European Waterpark Association, EWA, unter privaten Bäderbetreibern hat gerade gezeigt, dass bei einer Schließung bis September 80% der Betriebe Insolvenz anmelden müssen. Sollte es dazu kommen, erwarte ich, dass nicht nur Großunternehmen unterstützt werden, sondern auch kleine und mittelständische Unternehmen und Freizeitdestinationen, z.B. über Einkaufsgutscheine, die die Menschen flexibel ausgeben können.

Wie geht es in den Spreewelten jetzt weiter?

Hotel und Gastronomie öffnen gleichzeitig ab 25. Mai. Dafür arbeiten wir gerade akut an einem neuen Gastronomiekonzept und unsere Küche ist schwer gefordert.

Statt der bisherigen Buffetgastronomie muss ein hochwertiges Konzept für die Bewirtung am Tisch her, welches trotzdem nicht auf riesige Auswahl verzichtet. Wir müssen natürlich auch für die Hotelgäste die Zeiten in der Gastronomie neu steuern. Das braucht viel Fingerspitzengefühl, damit es sich trotz aller Sicherheitsmaßnahmen wie Urlaub anfühlt. Herausforderung ist auch, in allen Bereichen eine angenehme Zonierung zu schaffen, trotz Abstandsregeln. Mitarbeiter müssen neue Hygienestandards einhalten und auf die neuen Regeln zu Pausen etc. geschult werden. Glücklicherweise haben wir da schon immer einen hohen Standard. Unsere Mitarbeiter sind jedenfalls hoch motiviert und freuen sich auf die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz.

Und wie steht es um die Aussichten für das Freizeitbad?

Naja, ich habe ganz viele Schwimmringe mit einem Durchmesser von 1,5 Metern bestellt, damit alle Besucher die Abstandsregeln definitiv einhalten. Das war zumindest die erste Idee, die ich hatte. (lacht) Tatsächlich gibt es für die Wasserbecken noch keine rechtlichen Vorgaben und wir müssen abwarten, wie wir dann unseren Betrieb daraufhin anpassen können. Ich gehe aber ganz fest davon aus, dass die Menschen auch im Wasser Abstand halten werden, weil sie schon eine Weile mit den neuen Regeln leben. Zusätzlich werden Einlassrestriktionen bei den Besucherzahlen dafür sorgen, dass weniger Menschen im Bad unterwegs sind.

Außerdem brauchen wir für den Betrieb unserer Wasserbecken einen Vorlauf für das Erwärmen und auch die Abnahme der Wasserqualität durch das Gesundheitsamt.

Da haben wir also noch einen längeren Horizont und freuen uns dennoch schon jetzt auf unsere Besucher.

Was ist dein persönliches Erfolgsrezept in dieser Zeit?

Die Pinguine und mein persönliches Motto: Was passiert ist, lässt sich nicht mehr ändern. Dann gilt es, ruhig zu bleiben und das Beste draus zu machen. Wir schauen jetzt nach vorn und überlegen, wie wir die Spreewelten für den Besucher noch besser und sicherer machen können.

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STEVEN schwerdtner

… ist seit 2004 Marketingleiter der Spreewelten GmbH in Lübbenau.

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