Transformation | New Work

Bei dan pearlman stellen wir uns mit der DAN ACADEMY die Frage, wie wollen wir leben und arbeiten? Gerade jetzt ist diese Frage aktueller denn je. Einerseits ringen wir täglich um neue Antworten auf die akuten Herausforderungen durch die Coronavirus-Pandemie. Andererseits wollen wir ganz bewusst einen gedanklichen Blick in die Zukunft werfen und Mut machen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit Expertise, Kreativität und Optimismus neu zu denken.

Wir haben mit der New Work Expertin Sabine Kluge darüber gesprochen, was die aktuelle Corona-Pandemie für New Work, Organisationsentwicklung und für die Prinzipien des neuen Arbeitens bedeutet.

Wie profitieren unsere Gesellschaft und Wirtschaft trotz Krisenmodus?

Ich würde die Implikationen für Wirtschaft und Gesellschaft klar voneinander trennen, da ich glaube, dass diese sich sehr unterschiedlich gestalten. Zum einen profitiert die Gesellschaft durch eine Atempause: mehr Datenvolumen, mehr Geschwindigkeit, noch schnellere und effektivere Prozesse – all das sind für viele Menschen große Herausforderungen. Ich glaube wir haben in dieser sich immer schneller drehenden Welt viele Menschen abgehängt. Unter diesen Gesichtspunkten ist es zuvor bereits fraglich gewesen, wie lange wir als Gesellschaft in dieser Geschwindigkeit noch durchhalten können. Zudem hat das Prinzip „Höher-schneller-weiter“ auch bewirkt, dass die Schere zwischen den Informierten und denen, die nicht mehr Schritt halten können, immer größer wird. Mein Fazit lautet daher: die aktuelle Atempause tut der Gesellschaft gut!

Mit Hinblick auf die Wirtschaft ist es zum anderen schwer, einen rein positiven Blickwinkel einzunehmen. Vor allem kleine Unternehmer, Selbständige und Familien, die zuvor auch nur über geringe Einkommen verfügten, sind jetzt besonders betroffen. Die Situation, die wir gerade erleben, wird wirtschaftlich eine ungekannte Härte mit sich bringen. Deshalb ist es wichtiger denn je, von einer neuen Solidarität zu profitieren. Sie ist eine Chance, dass wir uns gemeinsam weiterentwickeln. Virtuelles Lernen und digitale Zusammenarbeiten halten gerade mit rasender Geschwindigkeit Einzug in unseren Alltag. Wir sind in einer Zeitmaschine, in der plötzlich Dinge funktionieren, die vorher undenkbar waren. Diese technischen und didaktischen Möglichkeiten sind das, was meiner Meinung nach künftig bleiben wird und uns als Gesellschaft nach vorne bringen kann.

Was bedeutet die Krise insbesondere für New Work? 

Hier stellt sich allem voran die Frage: was verstehen wir ganz konkret unter New Work – dem Neuen Arbeiten? In unserer Kooperation für das New Work Innovation Camp haben wir bei kluge_konsorten zusammen mit der DAN ACADEMY für uns definiert, dass das Neue Arbeiten einen besonderen Fokus auf die drei Themen Mensch, Technik und Raum legt. Wenn man sich nun speziell die Themen Mensch und Technik anschaut, dann sehen wir, dass das digitale Arbeiten plötzlich auf allen Ebenen möglich ist – vor allem auch im deutschen Mittelstand. Bisher sind Organisationen und Führungskräfte gegenüber digitaler Arbeit oft misstrauisch gewesen und es galt, sie davon zu überzeugen, los zu lassen und Vertrauen aufzubauen. Das waren langwierige Prozesse. Mit der Pandemie sind nun plötzlich Dinge möglich, die vorher nicht denkbar waren. Aufgrund dieses äußeren Zwangs können starre Regeln jetzt schneller geändert werden, um agiler arbeiten zu können. Ich glaube, dass das Vertrauen in zeit- und ortsunabhängiges Arbeiten sowie das Vertrauen in die Mitarbeiter und ihr Tun auch nach der Krise weiterbestehen wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt wird mit Blick auf die Mitarbeiter deutlich. Auf der einen Seite ist für sie das Work-Life-Blending – also die Vermischung von Privatem und Beruf – gerade, wenn Kinder im Haus sind, auch eine große Zerreißprobe. Auf der anderen Seite besteht jetzt mehr denn je die Chance, mit dem Work-Life-Blending umgehen zu lernen: Wie kann ich mich so organisieren, dass beide Lebensbereiche funktionieren und miteinander vereinbar sind? Das sind Learnings, die wir nach der Krise als Neues Arbeiten mitnehmen. Auch Themen wie Achtsamkeit, Deep Work oder Methodenkompetenz verstehen wir jetzt anders und können wir ganz gezielt vertiefen, weil wir es müssen.

Betrachtet man diesen Wandel nun in Hinblick auf unsere Freizeit und unser Konsumverhalten, so zeigt sich, dass der Online Handel stark wächst. Dies hat den tollen Nebeneffekt, große Mengen an CO2 Produktion zu reduzieren. Im Umkehrschluss bedeutet das für unser Arbeiten konkret zwei Dinge: künftig werden wahrscheinlich weniger Mitarbeiter im stationären Handel eingesetzt – dafür entstehen andere Arbeitsmodelle; außerdem wird der Trade-off zwischen Arbeitsmodellen und dem Faktor Nachhaltigkeit bzw. Klimaneutralität zunehmend Teil unseres Alltags.

WIE PACKT MAN JETZT DIE ZUKUNFT AN? WAS HILFT DABEI?

Traditionelle Unternehmenskulturen haben manchmal die Eigenheit zu glauben, dass der Feind im Unternehmen sitzt. So werden Silos aufgebaut und aufrechterhalten. Dadurch schafft man es nur schwer, dass Big Picture zu sehen. So traumatisch eine Krise wie wir sie erleben auch ist, so erhellend ist es, zu sehen wie die Krise auch eint. Unternehmen verstehen nun besser, im großen Ganzen zu denken. Dieses Denken und Streben nach einem gemeinsamen Sinn, dass man jeden Tag spürt und worüber man sich austauscht, ist ein ganz großes Asset, das die Krise bringen kann. Ich kann Unternehmen nur raten, auf die Narrative, die jetzt konkret möglich sind, zu setzten: dass Führungskräfte plötzlich Regeln ändern können, dass Vertrauen in digitale Prozesse vorhanden ist, dass wir unsere Silos verlassen und gemeinsam an Themen arbeiten und das neue Kommunikationsformen entstehen. Auch nach der Krise müssen Unternehmen diese Narrative und kulturelle Anpassung gemeinsam mit den Mitarbeitern pflegen, um nicht in alte Muster zu verfallen.

Ein ganz persönliches Erfolgsrezept aus meinem Home-Office: ich kann jetzt Routinen entwickeln, von denen ich zuvor in meinem Reise dominierten Alltag immer geträumt habe. Dazu gehört eine kleine Yoga Session am Morgen, eine Lesezeit, eine Entspannungszeit sowie echte Working- und Konzentrations-Blöcke. All diese Elemente habe ich fest in meinen Kalender eingetragen. Ich kann allen empfehlen, die Chance jetzt zu nutzen, um Routinen auszuprobieren, die man schon lange testen wollte. Wenn sie jetzt nicht klappen, dann kann man sich langfristig davon verabschieden. Wenn sie aber erfolgreich umsetzbar sind, dann kann man gerade jetzt einige Dinge im eigenen Leben anpassen, die einem wichtig sind.

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SAbine Kluge

… ist New Work Expertin und zählt zu den führenden HR Köpfen in Deutschland. Sie zählte 2018 zu den LinkedIn Top Voices und ist Gründerin von kluge_konsorten.

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