Transformation | Zoo Cooperations

In der DAN ACADEMY stellen wir uns die Frage, wie wollen wir leben und arbeiten? Gerade jetzt ist diese Frage aktueller denn je. Einerseits ringen wir täglich um neue Antworten auf die akuten Herausforderungen durch die Coronavirus-Pandemie. Andererseits wollen wir ganz bewusst einen gedanklichen Blick in die Zukunft werfen und Mut machen, unsere Gesellschaft und Wirtschaft mit Expertise, Kreativität und Optimismus neu zu denken.

Für Andreas Busemann, der seit 22 Jahren Geschäftsführer im Zoo Osnabrück ist, wurden die zurückliegenden Wochen nicht nur zur Chance, die Krise zu meistern. Vielmehr wecken sie sogar große Hoffnungen für die Zukunft. Warum, darüber hat er uns im Interview berichtet.

Wie haben Sie im Zoo Osnabrück die zurückliegenden Wochen erlebt?

Für uns war die Schließung des Zoos ein Horrorszenario. Da ging es uns ähnlich wie allen anderen Zoos oder auch wie dem Einzelhandel und der Gastronomie. Auch der Zeitpunkt der Schließung war schlichtweg eine Katastrophe, denn gerade das Frühjahr ist normalerweise die beste Saisonzeit. Da frisst man sich das Fett für den Winter an, wie wir hier im Zoo immer sagen; man baut sich also im Frühjahr ein finanzielles Polster für das Gesamtjahr auf.

Gerade am Anfang war deswegen unsere Befürchtung, in der Krise auf städtische Hilfe angewiesen zu sein. Doch damit wollte ich mich persönlich nicht abfinden. Bei einem guten Glas Rotwein ist dann meine Mindmap entstanden, die seitdem stetig wächst. Mein Motto in dieser Zeit: Jammern hilft nichts! Wir müssen aktiv gegen die Krisensituation ansteuern.

Unsere erste Maßnahme war deshalb die Einrichtung eines „Spenden“-Buttons auf unserer Website. Daraus wurde über die letzten Wochen eine umfangreiche Spenden- und Fundraising-Kampagne, die alle unsere Partnerunternehmen und viele neue Unterstützer einbezogen hat.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Überlegung, dass unsere Tiere den Menschen ja wahnsinnig fehlen, gerade weil niemand raus und in den Zoo konnte. So entstand die Idee, unsere Tiere in die Wohnzimmer der Menschen zu schicken und wir starteten mit Videopodcasts auf unserer Website. Unsere Tierpfleger haben echte Schlüssellochaspekte gezeigt und sogar aus den Kinderstuben der Jungtiere gesendet. Damit konnten wir viele Zoo-Fans zum Spenden animieren.

Um unsere Botschaft, „Unterstützt den Zoo“, zu den Menschen zu tragen, ging es natürlich auch darum, schnell Reichweite zu erzielen. Deshalb entstand die Idee, mit einem lokalen Medienpartner zusammenzuarbeiten. Das ist bei uns die Neue Osnabrücker Zeitung. Als wichtigstes Blatt in der Region hat uns die NOZ schon häufig begleitet. Da waren also gute Kontakte da. Das half uns massiv bei der Medienpräsenz des Zoos in den letzten Wochen.

Darüber hinaus wollten wir aber auch die Firmen motivieren, etwas für den Zoo zu tun. Deshalb haben wir ganz aktiv unser Partnernetzwerk aktiviert. Das besteht aus 200 Sponsoren. Aufgebaut wurde dieses Netzwerk über die letzten Jahre. Für unsere Partner tun wir viel. Wir vernetzen sie auch untereinander zum Beispiel mit Business Speed Datings. So stehen sie fest hinter ihrem Zoo und haben uns auch in der Krise aktiv unterstützt.

Ein schönes Beispiel dafür ist ein lokaler Weinhändler, der normalerweise an die Gastronomie liefert und aufgrund des Lockdowns seinen Wein nicht verkaufen konnte. Dieser Weinhändler hat nun übergangsweise seinen Wein in lokalen Fressnapf-Fachmärkten verkauft und von den 9 Euro pro Flasche gingen dann 2 Euro an den Zoo. Für die Aktion haben wir ein tolles Design und schöne Videos gemacht und sie mit „Volles Glas, voller Napf“ beworben. Das sah klasse aus und kam super an. Um diese Aktion noch bekannter zu machen, habe ich einen Kontakt zu den großen Edeka Märkten der Region hergestellt und plötzlich waren wir in 30 Lebensmittelmärkten präsent und haben pro Woche 1000 Euro über den Weinverkauf eingenommen.

Eine ähnliche Aktion entstand in Kooperation mit einer Firma, die Bratwürste für den Großhandel herstellt. Hier habe ich den Geschäftsführer angerufen und gefragt, was halten Sie davon, wenn Sie zum Start der Grillsaison eine Retter-Bratwurst zugunsten des Zoos anbieten? Die Antwort war, tolle Sache, aber ich komme nicht in die Lebensmittelläden. Da konnte ich helfen und jetzt gibt es in 30 Läden Retter-Bratwürste zu kaufen.

Gerade in der Krise ist uns bewusst geworden, wie groß das öffentliche Interesse am Zoo tatsächlich ist. Darauf haben wir aufgebaut. Unterm Strich stehen wir mit allen Einnahmen aus den letzten Wochen besser da, als wenn der Zoo normal geöffnet gewesen wäre. Insgesamt haben wir tatsächlich 520.000 EUR an Spenden eingenommen. Das hat uns sehr überrascht. Für uns hat die Krise eine Riesenchance aufgezeigt, die weit über die letzten Wochen hinausreicht.

Wie wird der Zoo Osnabrück mit den neuen Kooperationen weitermachen?

Wir wollen außerhalb des Zoos Wertschöpfungspotentiale generieren, die mit dem klassischen Zoo überhaupt nichts zu tun haben, aber massiv auf die Marke Zoo einzahlen. Die hohe Spendenbereitschaft in der Krise hat uns gezeigt, dass wir das Potential haben, professionelle Kooperationsmodelle aufzubauen, um mit dem Sympathieträger Zoo eine ganze Region hinter den Zoo zu stellen.

Unsere Vision ist es, Kooperationen mit Produzenten für Wurst, Schinken, Käse, Schokolade und Kaffee einzugehen und ergänzt durch eigenen Wein in 30 bis 50 großen Lebensmittelmärkten für den Zoo präsent zu sein. Die Produzenten unterstützen uns, denn sie verdienen Geld mit uns und wir mit ihnen. Das wird zusätzlich befeuert von Medienpatenschaften und Marketing, zum Beispiel über Zoo-News und Einkauftipps für unsere 25.000 Jahreskartenbesitzer. Wir fangen jetzt erstmal mit dem Lebensmitteleinzelhandel an und gehen dann auch in Kooperationen mit Baumärkten. Erste Erfahrungen gibt es auch in diesem Bereich. So haben wir schon „Zoofarben“ am Markt platziert.

Mein Traum ist es, dass diese Kooperationen so fruchtbar sind, dass wir langfristig damit sogar unser Großprojekt, den geplanten Elefantenpark, realisieren können.

Auch der Zoo Osnabrück ist jetzt wieder geöffnet. Wie lief es an?

Meine große Sorge, dass die Besucher erstmal wegbleiben, hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, die Besucher sprudeln nur so. Wir werden wohl den erfolgreichsten Mai aller Zeiten haben. Das liegt natürlich auch daran, dass die Schulen nicht voll geöffnet sind. So liegen wir mit 3.000 Besuchern am Tag knapp unter einem üblichen Ferientag. Durch den Ferieneffekt holen wir jetzt gerade massiv auf.

Um den Zoobesuch sicher zu machen, haben wir ein gesondertes Eingangsportal geschaffen und ziehen den Verkauf von Eintrittskarten über E-Ticketing nach vorne. Diese Tickets machen zwischen einem Drittel bis zu 50 Prozent aller Tickets aus und für diese Besucher gibt es kein Anstehen. Ansonsten arbeiten wir mit Abstandsmarkern im Kassenbereich, die Tierhäuser bleiben geschlossen und es gibt keine Showfütterungen. Unsere Baumkronenpfade sind dennoch begehbar. Hier haben wir die Wegeführung zu einem Einbahnstraßensystem umgestellt. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, die das so super hinbekommen hat. Kritisch sind allein die Spielplätze. Da setzen wir auf Präsenz und haben Zoo-Scouts vor Ort, die die Einhaltung der Abstandsregeln im Blick behalten.

Wird sich die Krise auch in Zukunft auf den Zoo Osnabrück auswirken?

Ich denke, der Trend zu mehr Kurzurlaub, Tagestourismus und Reisen innerhalb Deutschlands wird sich fortsetzen. Davon werden alle Destinationen, die das anbieten können, profitieren. Gerade bei uns im Zoo Osnabrück lohnt sich zum Beispiel eine Jahreskarte schon fast mit dem zweiten Besuch. Da wir auch im Winter mit unseren eigenen Zoolights ein spannendes Angebot machen, sind wir optimistisch, weiterhin ganzjährig bei Zoo Fans punkten zu können. Das belegen auch unsere Befragungsaktionen. Danach liegt die Quote für die Weiterempfehlung des Zoos bei 80 %. Wenn wir diese Quote mittels gezielter Weiterempfehlungsprogramme noch zusätzlich aktivieren können, schaffen wir es, noch mehr Menschen für den Zoo zu begeistern.

Wie packt man jetzt die Zukunft an? Was hilft dabei?

Ich arbeite viel mit Mindmaps und anderen Kreativtechniken. Früher war ich definitiv stark im operativen Geschäft eingebunden. Mittlerweile habe ich die Chance, auch mal flexibel im Homeoffice oder in anderen kreativen Umgebungen zu arbeiten. In 22 Jahren im Zoo Osnabrück konnte ich viel aufbauen und ich kann mich auf ein super Team verlassen. Die wichtigen Eigenschaften – nicht nur in der Krise – sind: Kreativität und ein guter Umgang mit Menschen. Man muss führen können, aber mit Fingerspitzengefühl. Ich möchte, dass hier jeder gerne zur Arbeit geht.

Ganz persönlich wünsche ich mir, dass ich die Kraft habe, den Elefantenpark noch vor meinem Ruhestand zu realisieren. Jetzt ist das Thema so nah. Gerade weil wir fast gar nicht gefördert werden, sind wir auf alternative Finanzierungsmodelle angewiesen. Durch die neuen Partnerschaften könnten wir die Finanzierung schaffen. Mit der Corona Krise haben wir diesbezüglich jedenfalls einen Quantensprung gemacht.

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Andreas busemann

… ist seit 22 Jahren Geschäftsführer im Zoo Osnabrück.

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